
Die folgende Pressemitteilung haben wir anlässlich der Einreichung unserer Stellungnahme zum kommunalen Wärmeplan veröffentlicht.
Erfurts Wärmeplan reicht nicht: Klimaentscheid legt umfassende Stellungnahme vor
Erfurt, 03. Juni 2026. Der Klimaentscheid Erfurt hat heute fristgerecht eine Stellungnahme zum ersten kommunalen Wärmeplan für Erfurt eingereicht. Das Urteil ist eindeutig: Der Plan ist gesetzeskonform und methodisch solide – als Transformationsinstrument reicht er jedoch nicht aus.
Der Entwurf der kommunalen Wärmeplanung für Erfurt wurde gemäß § 13 Abs. 4 WPG vom 4. Mai 2026 bis einschließlich 3. Juni 2026 von der Stadtverwaltung und der SWE öffentlich ausgelegt. Als konstruktiver Begleiter der Dekarbonisierung der Stadt Erfurt hat der Klimaentscheid eine umfassende Stellungnahme abgegeben. Die Stellungnahme würdigt ausdrücklich die räumliche Detailtiefe, die methodische Qualität, den strukturellen KWK-Vorteil der Erfurter Fernwärme sowie die breite Beteiligung von rund 30 Organisationen. Wesentliche Aspekte – fehlende Zahlen, der unrealistische Wasserstoffpfad sowie mangelnde soziale Absicherung – werden aber deutlich kritisiert und 13 konkrete Nachbesserungen gefordert.
„502 Seiten und die einzigen konkreten Eurozahlen sind 10 Millionen Euro Netzumbaukosten für die SWE – und 5.000 bis 10.000 Euro Umrüstkosten pro Haushalt für Wasserstoff. Wärmegestehungskosten je Versorgungsgebiet, Gesamtinvestitionsbedarf, Sensitivitätsanalysen: Fehlanzeige. Das ist kein Entscheidungsinstrument für Bürgerinnen und Bürger“, sagt Andreas Hultsch vom Klimaentscheid Erfurt, der innerhalb der Initiative gemeinsam mit Robert Bednarsky das Thema Wärmewende begleitet.
Wasserstoff für Haushalte: physikalisch ineffizient, wirtschaftlich nicht nachvollziehbar
Besonders scharf kritisiert der Klimaentscheid den Wasserstoffpfad. Eine Fraunhofer-Studie (IEG/ISI, Oktober 2025) beziffert die Wasserstoff-Bezugskosten für das Jahr 2035 auf 21,4 bis 33,3 Cent pro Kilowattstunde – das Drei- bis Fünffache einer Wärmepumpe im Endkundenpreis. Im Plan fehlt jeder Effizienzvergleich. Die Umrüstung von 18.000 bis 38.000 Erfurter Gebäuden auf Wasserstoff würde Bewohnerinnen und Bewohner 190 bis 380 Millionen Euro kosten. Diese Zahl ist im Plan nicht zu finden. Die 10 Millionen Euro SWE-Netzkosten hingegen schon. Das ist eine systematische Kostenverschiebung von der SWE zur Bevölkerung, die der Plan nicht transparent macht.
Hinzu kommt: Von 42 angefragten Unternehmen haben nur neun eine Interessenserklärung zur Nutzung von Wasserstoff unterzeichnet. Jedoch wurde kein Preis genannt, so dass eine betriebswirtschaftliche Rechnung nicht durchgeführt werden konnte. Außerdem fehlt eine verbindliche Zusage der Ferngasbetreiber und ein serienreifes Wasserstoff-Heizgerät ist derzeit nicht auf dem Markt erhältlich. Der Bundesrechnungshof hat im Oktober 2025 in einem Sonderbericht festgestellt, dass die Bundesregierung trotz Milliarden-Förderung die Ziele ihrer Wasserstoffstrategie verfehlt und grüner Wasserstoff auch künftig teuer bleibt.
„Der Plan stemmt sich gegen Physik und Markt. Wir haben irgendwann die Gaslaternen zurückgebaut und durch Stromleitungen für elektrisches Licht ersetzt – es war trotz hoher Anfangsinvestitionen die bessere Lösung. Das Gleiche muss jetzt mit der Heizung passieren“, so Robert Bednarsky, Sprecher des Klimaentscheid Erfurt.
Wärmepumpe: Marktführer kommt im Plan kaum vor
Die Wärmepumpe ist seit 2022 Deutschlands meistverkaufte Heizung. Im Erfurter Wärmeplan entfallen auf sie lediglich 3,6 Prozent der geplanten Endenergie 2045. Auf Nachfrage wurde auf die Prüfgebiete verwiesen – wo Wasserstoff in zwei von drei Versorgungsoptionen erscheint. Die SWE hatte nach eigenem Bekunden zum Wärmepumpen-Infotag im November 2025 kein Angebot und keine Ansprechperson für diese Heizungsart.
Soziale Gerechtigkeit: die größte inhaltliche Lücke
36,5 Prozent der Erfurter Bevölkerung erhalten durch den Plan keine belastbare Aussage, wie sie künftig heizen sollen. Für einkommensschwache Haushalte, Mieterinnen und Mieter sowie Heizöl-Abhängige fehlen jede Analyse und jede Kompensationsstrategie: kein Sozialtarif für Fernwärme, kein Härtefallfonds, keine Mieterkostenanalyse.
Struktureller Interessenkonflikt und institutionelle Umsetzungslücke
Das Finanzdezernat – zuständig auch für alle städtischen Beteiligungen einschließlich der SWE – hat als Auftraggeber die Projektsteuerung des Wärmeplans übernommen. Der Klimaentscheid sieht darin einen institutionellen Interessenkonflikt, der erklärt, warum der Plan Kosten und Risiken systematisch von der SWE zur Bevölkerung verschiebt. Außerdem wurden die organisatorischen Voraussetzungen für die Umsetzung des Wärmeplans bis heute nicht geschaffen und werden es auch 2026 nicht. Dazu zählen das Kernteam Klima (Maßnahme I1) und der städtische Strategieprozess (I3) – zu finden unter anderem im Dokument „Klimaschutz in Erfurt – Die Handlungsgrundlage der Verwaltung“. Das Monitoring-Konzept des Wärmeplans auf der Auftraggeberseite ist ohne diese Absicherung ein Papierversprechen.
13 Forderungen – drei davon sofort umsetzbar
Der Klimaentscheid fordert Stadtrat, Verwaltung und SWE zu 13 konkreten Maßnahmen auf. Drei können ohne Fortschreibung des Wärmeplans sofort umgesetzt werden:
Zur ersten Fortschreibung der Wärmeplanung fordert der Klimaentscheid unter anderem die Verankerung des ThürKlimG-2040-Meilensteins, die Offenlegung von Wärmege-stehungskosten je Versorgungsgebiet, eine sozioökonomische Folgenabschätzung sowie eine Alternativ-Erzeugerstruktur für den Fall eines Scheiterns der Tiefengeothermie.
Der Klimaentscheid erinnert an folgende Realitäten, denen im Zuge der Fortschreibung Rechnung getragen werden muss: Erfurts derzeitige Treibhausgasemissionen sind um ein Vielfaches zu hoch für die Erfüllung des Bundes-Klimaschutzgesetzes 2045 und des Thüringer Klimagesetzes, das bereits 2040 zur Klimaneutralität verpflichtet. Im 502-seitigen Wärmeplan wird dies bisher mit keiner Silbe erwähnt.
Der Klimaentscheid Erfurt hatte 2022 über 7.000 gültige Unterschriften für ein Bürger-begehren gesammelt mit dem Ziel, die Stadt bis 2035 klimaneutral zu machen. Nach Feststellung der Gültigkeit der Unterschriften erarbeitete der Klimaentscheid gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Beschlussvorlage für den Stadtrat. Im Juni 2023 folgte dieser der vorgeschlagenen Zielstellung, das Erfurt so schnell wie möglich klimaneutral werden soll. Das am 15. Mai 2024 vom Stadtrat verabschiedete Dokument „Klimaschutz in Erfurt – Die Handlungsgrundlage der Verwaltung“ enthält die ersten kurz- und mittelfristigen Maßnahmen zur Erreichung der schnelleren Klimaneutralität.
Der Klimaentscheid Erfurt ist eine Initiative des Bündnisses für Klimagerechtigkeit Erfurt. Dem Bündnis gehören viele lokale Organisationen und Initiativen an, die sich für eine lebenswerte, klimagerechte Stadt einsetzen.
Robert Bednarsky und Andreas Hultsch sind die Vertreter des Klimaentscheids für die Schlüsselmaßnahme E2 (Kommunale Wärmeplanung) der städtischen Handlungsgrundlage. Die vollständige Stellungnahme (28 Seiten), der Policy Brief an die demokratischen Fraktionen des Stadtrates sowie Parteien in Erfurt sind auf Anfrage erhältlich.
Transparenzhinweis: Die Stellungnahme, der Policy Brief sowie diese Pressemitteilung wurden unter Verwendung des KI-Sprachmodells Claude Sonnet 4.6 (Anthropic, 2026) erarbeitet. Die inhaltlichen Grundlagen – Quellen, Daten, Gesetze, Studien sowie alle normativen und analytischen Weichenstellungen – wurden ausschließlich von den Verfassern eingebracht und verantwortet. Die KI übernahm Aufgaben der Textstrukturierung, Formulierung und Dokumentenformatierung. Sämtliche inhaltlichen Entscheidungen, Urteile und Forderungen liegen in der alleinigen Verantwortung der Verfasser.
Weitere Informationen:
https://klimaentscheid-erfurt.de/
https://www.instagram.com/klimaentscheid_erfurt/
Kontakt:
Klimaentscheid Erfurt
eine Initiative des Bündnisses für Klimagerechtigkeit Erfurt
vertreten durch Robert Bednarsky und Andreas Hultsch
c/o BUND Stadtverband Erfurt
Geschäftsstelle
Trommsdorffstraße 5
99084 Erfurt
Robert Bednarsky: 0171 5625919
Andreas Hultsch 0177 3338405